Interview: Schulalltag mit Handicap – alles ganz normal

Zum Interview kommt Schülerin Karina in Begleitung von Dirk Michels. Er ist ihr Dolmetscher – und zwar für eine besondere Sprache, denn Karina ist gehörlos. Seit August 2018 macht sie die Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin (CTA) und absolviert auch die Zusatzkurse, um die Fachhochschul-Reife zu erlangen. Alles in Gebärdensprache.

Nach einem Betriebspraktikum hatte Karina sich für den Beruf der CTA entschieden und die Ausbildung an den Sabine Blindow-Schulen entdeckt. „Am Anfang sind Hörende immer vorsichtig und es gab viele Fragen, wie das alles klappen kann“, erinnert sich die 17-Jährige. „Aber ich wurde von der Klasse, den Lehrkräften und der Schulleitung sofort gut aufgenommen und hatte gar nicht das Gefühl, als Gehörlose was Besonderes zu sein.“

Das praktische Arbeiten im Labor mag Karina besonders gern: „Wenn wir in kleinen Gruppen arbeiten, versuche ich, selbst zu sprechen. Ansonsten behelfen wir uns mit Aufschreiben und Zeigen und das klappt gut.“ Im späteren Berufsleben laufe ja auch viel über schriftliche Kommunikation.

Unglaublich schnell wechseln die Gesten und Zeichen der Hände. Während Karina erzählt, muss Dirk Michels mehrmals um eine kurze Pause bitten, um zu übersetzen. Die Gebärdensprache sei teilweise kürzer und schneller als die Lautsprache. Andererseits kann Karina im Unterricht zum Beispiel nicht gleichzeitig Zuhören und Mitschreiben, sondern muss erst auf die Gebärden der Dolmetscher schauen und dann Notizen machen. Täglich begleiten zwei Dolmetscher Karina in der Schule. Sie wechseln sich rund alle 15 Minuten beim Übersetzen ab, denn auch für sie ist die hohe Konzentration anstrengend.

Karina ist nach wie vor von ihrer Wahl überzeugt: „Der CTA-Beruf ist genau das Richtige. Ich kann mir nach der Ausbildung auch ein Studium in diesem Bereich vorstellen.“ Und eines möchte sie unbedingt noch loswerden: „Ich möchte gerne Danke sagen, dass ich hier die Ausbildung machen kann. Ich bin wirklich begeistert.“

Karina, Agnes Plath und Dirk Michels zeigen im Bild (v. l.) übrigens nicht die Metal-„Pommesgabel“, sondern den Gruß von Gebärdensprachlern, der „I Love You“ bedeutet.